Karosserie Karmann

Firmenemblem von Karmann (ca. 1949-1950)

Karmann Emblem

Karmann hatte große Kompetenz im Werkzeugbau für Karosserieteile. Bereits auf Basis des Eifel und Buckeltaunus wurden Cabriovarianen bei Karman gefertigt. Ein Eifel Roadster ist heute noch im Bestand der Karmann Sammlung. Leider gibt es bisher keine offiziellen Zahlen zu Stückzahlen für den Eifel oder den Buckeltaunus.

Kombi und Kastenwagen des Buckeltaunus könnten ebenfalls bei Karmann entstanden sein. Bisher fehlen dazu aber die notwendigen Nachweise. Lediglich von einem Kombi auf Basis des Buckeltaunus gibt es einen Nachweis. Dieser stand 1949 auf der Industriemesse in Hannover.
Mit dem 12M G13 ging allerdings die Serienproduktion los und hielt bis 1955 an. Ab dem Juli 1955 wurden die speziellen Karosserieteile des 15M G4BAL Kombi bei Karmann produziert und zu Ford nach Köln geliefert. Dort wurden die Fahrzeuge zusammengebaut und liefen mit den Limosinen vom Band. Das war aber lange nicht das Ende. Der Sierra XR4i und auch der Escort Cosworth wurden bei Karmann gebaut. [FScherrer 17.02.17]

Die Geschichte des Hauses Karmann

Unser Redakteur Hartmut Nikolaus, hat die Karmann-Geschichte für die Alt-Ford-Freunde in der Vereins-Zeitung “Info 147” aufbereitet. Seine informativen Zeilen könnt Ihr hier lesen:

Info 147 / Sommer 2009

AFF-Info Titel 147.Titel.korr

Ford, made by Karmann

(vom Info-Redakteur  Hartmut Nikolaus / Info Ausgabe 147 )

Während wir gebannt den Überlebenskampf der US-Riesen GM und Chrysler in den Medien verfolgen, schließt – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – ein  deutscher Traditionsautobauer in diesem Jahr für immer seine Pforten.

Der Firmengründer Wilhelm Karmann übernahm 1901 die 1875 gegründete Wagenfabrik Klages und baute seit 1902 zunächst Karosserien, bald auch komplette Fahrzeuge für fast die gesamte Autoindustrie.

Doch nun haben die Hersteller selbst Probleme, ihre vorhandenen Kapazitäten auszunutzen und  für den Cabrio-Spezialisten fällt nichts mehr ab. Die Schließung der zwei Werke ist unabwendbar, denn Karmann hatte niemals ein eigenes Vertriebsnetz und kann deshalb nicht auf „eigenes Risiko“ Fahrzeuge bauen und verkaufen.

An Ideen zu neuen Fahrzeugkonzepten hätte es nicht gemangelt, wie die Reihe der Show-Cars beweist, die im Laufe der letzten Jahrzehnte entstanden. Man kann sie (nach Anmeldung) in einer Fahrzeugsammlung in Osnabrück bestaunen – neben den vielen im „Kundenauftrag“ gebauten Fahrzeugversionen – und es waren nicht nur Cabrios. Grund genug, einmal Revue passieren zu lassen, welche Ford- Modelle in Osnabrück bzw. Rheine – und nicht in Köln – gebaut worden sind. Wer immer geglaubt hat, Ford- Cabrios seien – wenn schon –  bei Deutsch entstanden, der irrt. Zwar wurden bei Deutsch bis in die sechziger Jahre immer wieder kleine Serien der jeweils aktuellen Modelle „aufgemacht“ doch die Statistik zeigt: Fahrzeuge in wirklich wahrnehmbaren Stückzahlen hat eigentlich nur Karmann gebaut.

Angefangen hat die Geschäftsverbindung mit einer Serie von Roadstern auf Basis des Ford Eifel. Hauptkunden waren zu jener Zeit allerdings Adler und Hanomag. Nach dem Krieg baute man auf Basis des Käfers eine Cabrio- Version, die – nachdem VW entschieden hatte, dieses in das offizielle Verkaufsprogramm zu übernehmen – zum Hauptgeschäft von Karmann werden sollte. Es gab zwar auch eine kleine Zahl von Taunus-Cabrios (Buckel), aber erst zwischen 1952 und 1955 folgte eine erste größere Serie von Kombis als 12m bzw. 15m für Ford. (Ergänzung: Karmann lieferte ab Juli 1955 die speziellen Bleche für Kombivarianten des 12M und 15M in das Kölner Ford Werk, in dem die Fahrzeuge komplettiert wurden / F Scherrer 22.02.17)

1953 erschien wiederum auf Basis des Käfers ein Coupé, entworfen von Ghia. Mit der offiziellen Verkaufsbezeichnung VW Karmann-Ghia rückte das Unternehmen jetzt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Man verband den Namen Karmann hinfort mit diesem Fahrzeug, von dem es ab 1957 auch eine Cabrioversion gab. Die Geschäftsbeziehung mit Ford schlief  jedoch nach 1955 für viele Jahre ein. Porsche lies ab 1961 den 356 als Hardtop-Coupé bauen, BMW ab 1965 die Karosse des BMS 2000 CS und Opel eine kleine Serie des Diplomat-Coupés. Auf der Basis des VW Typ 3 (1500) erschien 1961 der „grosse Karmann-Ghia“ – mit bis 1969 ca. 42.000 gebauten Exemplaren allerdings längst nicht so erfolgreich, wie der kleine Bruder. Der wurde bis 1974 immerhin 362.000 mal vom Band gelassen!

Viele Versuche, den Käfer durch ein moderneres Fahrzeug zu ersetzen, waren bei VW im Prototypenstadium stecken geblieben, doch 1974 war der luftgekühlte Heckmotor endlich passé. Bereits wenige Monate vor dem Golf erschien ein Coupé mit dem künftigen Antriebskonzept, der Scirocco.

Karmann baute das von Giorgio Giugiaro kreierte Fahrzeug bis 1981 insgesamt 500.000 mal.  Der folgende Scirocco II brachte es bis 1992 immerhin noch auf knapp 300.000 Stück. Bereits 1976 hatte Karmann den Prototyp eines Golf-Cabrios realisiert – allerdings noch ohne Überrollbügel und mit voll- versenkbarem Dach. Volkswagen war nicht abgeneigt, forderte aber Änderungen, um das Fahrzeug auch in USA verkaufen zu können. 1979 kam dann die Serienversion des „Erdbeerkörbchens“ auf den Markt. Im Januar 1980  verließ das letzte Käfer-Cabrio die Werkshalle. Ca. 330.000 Stück waren seit 1952 entstanden.

1983 kam dann auch Ford wieder ins Spiel. Auf Basis des Escort III entstand ein  direkter Konkurrent zum Golf-Cabrio. Das Konzept entsprach denn auch dem des erfolgreichen Golf – nur diesmal mit Kofferraum! Im Werk Rheine wurde das Cabrio mit drei verschiedenen Motorisierungen (69, 79 und 105 PS) gebaut. Das dick gefütterte Faltverdeck mit integrierter heiz- barer Heckscheibe lässt sich fast mühelos öffnen und schließen. Im geöffneten Zustand verschwindet es fast vollständig hinter der Fondsitzlehne. Der Platz reicht für vier Personen, der Kofferraum fasst rund 320 Liter, was für diese Fahrzeugklasse aussergewöhnlich geräumig ist. Das Verdeck muß etwas umständlich mit einer Persenning abgedeckt werden. Etwa 80 Prozent aller Blechteile hatten geändert oder neu konstruiert werden müssen. Die Golf-Henkelmänner wurden die meistgebauten Cabrios aller Zeiten! Gegen Aufpreis konnte das Dach auch elektrisch betätigt werden. 1986 wurde die Escort-Karosserie einem leichten Facelift unterzogen, neue Scheinwerfer und ein überarbeitetes Cockpit prägten den Escort MK IV. Bis 1990 entstanden 104.000 Einheiten dieser ersten Serien. Ford vergab noch einen zweiten Fertigungsauftrag an Karmann: 1984 wurde eine Version des Sierra, der Merkur XR 4 Ti auf Band gelegt. Das Fahrzeug hatte einen 2,3 Liter-Einspritzmotor mit 175 PS und wurde in den USA von Mercury-Händlern verkauft. Bis Ende 1989 wurden 45.000 Stück produziert 1990 erschien der wiederum leicht veränderte Escort MK VI. Neben anderen Leuchten vorne und hinten ist ABS jetzt serienmäßig. Die letzte Bauserie war der Escort MK VII, wieder andere Frontscheinwerfer und Rückleuchten, rundere Stoßstangen und Doppelairbags in Serie. Der Escort bot neben dem Golf und dem Audi Cabrio eine der wenigen Möglichkeiten einen Open-Air-Diesel zu bewegen. Das Escort Cabriolet ist allerdings recht selten mit dem 90 PS starken Turbodiesel bestellt worden. Zwischendurch (1992) wurde noch eine kleine Serie des Escort RS Cosworth aufgelegt. Nach insgesamt 185. 000 gebauten Klappdach-Fords lief die Produktion schließlich 1997 aus. Karmann hatte zwar auf eigenes Risiko einen Prototypen des Focus-Cabrios gebaut, doch Ford biss diesmal nicht an. Die Kooperation zwischen Karmann und Ford ist damit Geschichte. Erst 2006 wird mit dem Focus- Cabrio wieder ein Fahrzeug von Ford in diesem Marktsegment angeboten – entwickelt und gebaut allerdings von Pininfarina. Karmann baute noch bis 2002 das Cabrio auf Basis des VW Golf III. Es lief ebenfalls ohne direkten  Nachfolger aus. Der Prototyp eines Vento-Cabrios fand keine Gnade bei VW-Chef Piech. Ab 1990 lief  das Cabrio auf  Basis des Escort IV vom Band Obwohl damit ein bisher wichtiges Standbein für Karmann weggeknickt war, hatte man mit der Fertigung des Audi A4-Cabrios und  des CLK-Cabrios (A 208/ 209) für Mercedes ausreichend zu tun. Auch von Chrysler (DaimlerChrysler) konnte ein Auftrag hereingenommen werden, doch der „Crossfire“ (2003 – 2007) wurde für die Absatzplaner zur Enttäuschung. Audi und Mercedes hatten ihre Fabriken inzwischen stark durchrationalisert, so daß die jeweiligen Folgegenerationen der aktuellen Cabrios locker in die eigene Fertigung genommen werden konnten. Die letzten Mercedes CLK liefen im Febr. 2009 vom Band – Die Lichter gingen bei Karmann nun endgültig aus…

So zeugen also nur noch die in einer Halle vor dem Werkstor in Osnabrück versammelten Exponate von der wechselvollen Geschichte des Hauses, (2001 hatten wir AFF Gelegenheit, diese Sammlung im Vorfeld unseres Jahrestreffens in Lingen zu besichtigen). Künftig fungiert Karmann nurmehr als Hersteller der Dachkomponenten – die Fahrzeuge selbst entstehen bei den bisherigen Kunden.

Hartmut Nikolaus / Info 147