Karosseriebau Hebmüller

Firmenemblem

Die Firmengeschichte von Karosserie Hebmüller

Klaus Hebmüller ist Nachfahre des Firmengründers Joseph Hebmüller und Mitglied bei den Alt-Ford-Freunden.

Er schrieb in der Vereinszeitung “Info” Ausgabe 174 (Winter 2015/16) einen Artikel  zur Firmengeschichte, den wir hier mit seinem Einverständnis veröffentlichen. Wer kennt oder hat noch Ford-Fahrzeuge mit Hebmüller Auf- oder Umbau? Bitte meldet Euch dazu beim Vorstand, wir leiten die Information gerne weiter.

Von hier aus ein Dankeschön für die Zustimmung zur Veröffentlichung von Fotos, Preislisten und den Text an Klaus Hebmüller – Der Vorstand der Alt-Ford-Freunde

Klaus Hebmüller ließ diesen Ford Rheinland mit Pullmann-Aufbau restaurieren und war damit auch schon auf dem Jahrestreffen der Alt-Ford-Freunde.

Klaus Hebmüller besitzt auch ein VW Käfer Cabriolet welches in der Firma seiner Eltern umgebaut wurde.

Dieses VW Käfer Cabriolet wurde 2017 im gezeigten Zustand in Bremen auf der Oldtimermesse angeboten und angeblich für 75.000€ verkauft.

Ford-T ca. 1923

Liebe Alt-Ford-Freunde,

seit mehr als 15 Jahren befasse ich mich mehr oder weniger intensiv mit dem Sammeln von Dokumenten über das ehemalige Unternehmen meiner Vorfahren und mit dessen Historie.

Bei dem Brand 1949 und dem späteren Konkurs 1952 sind die meisten Unterlagen verloren gegangen. Ausserdem legte man zu der damaligen Zeit noch keinen solch grossen Wert auf die Archivierung. Zudem wurde noch ein Teil der geretteten Dokumente von einem anderen Familienzweig verschleudert.

Die Beziehung Ford – Hebmüller ist ein Teil der Geschichte und ja auch deshalb besonders interessant, weil Ford die ehemaligen Hebmüller-Fertigungsstätten übernommen und dort mehr als 30 Jahre produziert hat. Deshalb habe ich mal einiges zusammengeschrieben und Fotos zusammengestellt, die Sie vielleicht interessieren.

Es könnte ja sein, dass noch das ein oder andee Interessante für meine Sammlung dabei heraus kommt…

Die Karosseriewerke Hebmüller sind den meisten Oldtimerfreunden durch das 2-sitzige VW- Käfer-Cabriolet bekannt, von dem in den Jahren 1949/50 fast 700 Stück gebaut wurden. Weniger bekannt ist, dass Hebmüller schon in den  Jahren 1920 bis 1940 sowohl Einzelaufbauten als auch Kleinserien von Cabriolets und (Pullman-) Limousinen für namhafte Automobilhersteller wie u.a. Austro-Daimler, Hanomag, Opel und auch Ford herstellte und zu den bekanntesten Karosserieherstellern dieser Zeit gehörte.

Joseph Hebmüller hatte im Jahre 1889 in Wuppertal einen Stellmacherbetrieb gegründet, in dem Kutschen und Pferdewagen für gewerbliche Zwecke entstanden. Nach seinem frühen Tod im Jahr 1919 führten zunächst  seine beiden ältesten Söhne Joseph jun. und Emil den Betrieb fort.

Wenige Jahre später traten auch die beiden jüngeren Brüder Paul und Erich in die Firma ein. Schon bald verlagerten sie den Schwerpunkt vom Kutschenbau auf Automobilkarosserien. So entstanden in den zwanziger Jahren schon  u.a. Lieferwagenaufbauten auf Ford T- und später auch auf Ford A-Fahrgestellen. 1924 erwarben die Hebmüller-Brüder die Werkshallen der ehemaligen „Automobilfabrik Körting“ in Wülfrath, und im Laufe der Jahre wurde die Hauptproduktionsstätte nach Wülfrath verlegt und ständig weiter ausgebaut.

Um 1930 baute Hebmüller erstmals auf Ford A Fahrgestellen 6-7-sitzige Pullman-Limousinen, bei denen das Werkschassis  bei der Firma Clerck in Wuppertal verlängert wurde, um Platz für die 3. Sitzreihe zu schaffen. Der Vertrieb erfolgte über die Ford Händlerorganisation. Pullman-Limousinen wurden zu einer Spezialität von Karosserie Hebmüller. Sie wurden in Kleinserien auf Ford Rheinland- und diversen V8-Fahrgestellen bis 1939 produziert. Darüber hinaus gab es ebenfalls 6-7-sitzige Varianten mit Rolldach oder als Vollcabriolet. Gleichzeitig baute Karosserie Hebmüller auch  Cabriolets auf Ford B, Ford-Rheinland und Ford V8 Fahrgestellen. Sie waren zum Teil tiefer gelegt und konnten damit als echte „Sportcabriolets“ gelten.

Während die Pullman-Limousinen in kleinen Serien gefertigt wurden, waren die Cabriolets Einzelstücke, die meistens nach Kundenwunsch ausgestattet wurden.

Eine Ausnahme bildete der Ford- Eifel Roadster. Hierüber erteilte Ford der Firma Hebmüller 1936 einen Serienauftrag, nachdem die vorher bei Stoewer in Stettin  gebaute Serie von insgesamt 400 Stück ausgelaufen war. Wie viele von diesen Roadster-Karosserien bei Hebmüller entstanden sind, ist nicht bekannt. Optisch erkennbar ist  die Hebmüller-Ausführung an den Lüftungsschlitzen unterhalb der Türen, der umlegbaren Frontscheibe und den frei montierten Winkern. Nach dem 2. Weltkrieg lieferte Karoserie Hebmüller noch Bordwände für LKW-Pritschen nach Ford in Köln und es entstanden einzelne Nutzfahrzeugaufbauten auf Ford-Fahrgestellen. 1949 vernichtete ein verheerendes Feuer das gesamte Wülfrather Werk.

Doch schon 2 Jahre später war auf den Trümmern ein neues, nach damaligen Vorstellungen ultra-modernes, Werk entstanden. Doch damit hatten sich die Brüder Hebmüller finanziell übernommen: Wenn auch der Neubau weitgehend von der Versicherungssumme gedeckt war, konnte man den Produktionsausfall  und den Neuanfang nicht verkraften und musste im Jahre 1952 Konkurs anmelden.

Nachdem die neuen Werksanlagen mehrere Jahre ungenutzt geblieben waren, kauften die Ford-Werke 1956 das gesamte Areal.

Mehr als 30 Jahre produzierte Ford in den ehemaligen Hebmüller-Hallen verschiedene Komponenten, Tauschmotore und Lenkungen. Die Produktionsfläche wurde im Laufe der Jahre mehr als verdoppelt. Im Rahmen von Umstrukturierungen bei Ford ging das Werk zunächst an Visteon über, dann einige Jahre später an die Firma „t-drive GmbH“, die dort heute noch Lenkungen für Ford und andere Automobilhersteller produziert.#

Die Produktion ist seit einigen Jahren jedoch ganz in die von Ford hinzugebauten Hallen verlagert worden. Die ehemaligen Hebmüller-Hallen stehen seither leer und wieder zum Verkauf. Anlässlich des Hebmüller Oldtimer-Treffens im Jahr 2014 hatten alle Teilnehmer Gelegenheit, das alte Werksgelände zu besichtigen und einen Blick in die (leeren) Hallen zu werfen, die trotz des Alters recht gut erhalten sind und einen Eindruck von der Bedeutung der ehemaligen Karosseriefabrik Hebmüller  vermitteln konnten. Während doch eine ganze Reihe von Hebmüller-Karosserien, die in den 30er Jahren gebaut wurden, erhalten und bekannt sind, gibt es darunter nur zwei Ford, einen Eifel-Roadster und die in meinem Besitz befindliche Rheinland Pullman-Limousine. Es würde mich sehr freuen, Hinweise auf noch existierende Ford-Hebmüller-Karosserien zu bekommen.

Ihr Klaus Hebmüller

Ford Eifel Roadster von Hebmüller 1936