70 Jahre Taunus (1948 – 2018)

Wir feiern dieses Jahr “70 Jahre Taunus”…..

Die Alt-Ford-Freunde e.V.  feiern dieses Jubiläum im Schwetzinger Schlosspark – Fast die ganze Modellpalette wird vorgestellt. Schaut vorbei – Termin und nähere Informationen findet Ihr hier:

Veranstaltungen der Alt-Ford-Freunde – Classic Gala Schwetzingen

Die Modellgeschichte:

Müsste es nicht heißen 80 Jahre? Die ersten Prototypen standen schon 1938 auf den Rädern, und 1940 standen die ersten Taunus (G93) bei den Händlern.  Dem Verkaufserfolg hielt die Politik 1941 ein “STOPP-Schild” vor die Nase. Erst beim zweiten Anlauf 1948, ging es dann richtig los.

1948 startete der Ford Taunus (G73) im Volksmund “Buckeltaunus” genannt mit 1,2 Liter Motor und 34 PS seinen Siegeszug. An den Filmsets sah man die damaligen deutschen Filmschauspieler aus dem Taunus – gerne auch aus dem Cabriolet aussteigen.  Hans -Richter war z.B. ein solcher Schauspieler, dessen Buckeltaunus Cabriolet vom Karosseriebauer Deutsch noch in den Reihen der Alt-Ford-Freunde gepflegt wird. Der Taunus wurde über die Jahre immer aktualisiert. Mit dem 12M G13 als “Weltkugeltaunus” brachte Ford 1952 ein Modell, dass die selbsttragende Karosserie  nach Borgward in große Stückzahlen produzierte. Allerdings war der 12M kein Modell für den “kleinen Mann”, denn erkostete über 7300 DM. Ein Preis, den sich nur besser verdienende leisten konnten, die dann mit 38PS im 1,2 Liter Motor deutlich besser motorisiert waren wie ein VW Käfer Fahrer. Die erste Autokrise 1953 führte allerdings zu Preissenkungen und einem abgespeckten Modell, dem Taunus 12. Ab 1955 gab es ein Facelift für den 12M und einen großen Bruder (15M G4B) mit sehr ähnlicher Karosserie, aber mit 1,5 Liter Vierzylindermotor und 55PS nochmals deutlich an Leistung und vor allem an Drehmoment zulegte.  Bis 1956 war der 15M G4B der stärkste 1,5 Liter Wagen, den man in Deutschland kaufen konnte – Kraftprotz auf Zeit….Borgward und Porsche nahmen ihm diesen Titel wieder ab. Den 1957 eingefahrenen Klassensieg auf der Mille Miglia macht ihm niemand mehr streitig.

Ab 1957 offerierte Ford Köln den neuen 17M (P2), dessen Karosserie viele Designdetails der amerikanischen Modelle aufnahm und als “Gelsenkirchener Barock” in die Ford Historie einging. Er übernahm den Motor des 15M , der allerdings um 200 ccm vergrößert wurde um noch mehr Leistung und Drehmoment zu liefern. Er hatte nun 60 PS. Parallel zum 17M P2 wurde der 12M G13 weiterhin angeboten (12M G13-60). Die Weltkugel entfiel, die “Bauchbinde” kam, die dem 12M dieser Modellgeneration den Spitznamen “Seitenstreifentaunus” gab. Dieser Streifen war aber nur eine Option, die für 30 DM Aufpreis angeboten wurde. Dieser 12M wurde mit 1,2 und 1,5 Liter Motor angeboten und war auf dem Fahrzeugmarkt die günstigste Alternative um einen 1,5 Liter Wagen zu fahren, was für sog “Aufsteiger” (Vom Motorrad auf Auto) oder Umsteiger (Kleinstwagen auf Auto) eine gute Option war. Das Wirtschaftswunder ließ es zu, dass immer mehr Menschen Geld für ein Auto hatten und Ford Köln hielt den 12M G13-60 daher lange im Programm.

Das Nachfolgemodell des P2 hieß ebenfalls 17M, hatte allerdings die interne Modellbezeichnung P3. Dieses Modell behielt die bisherigen 1,5 und 1,7 Liter Motoren der Vorgänger. Später kam noch eine sog. TS-Version (Touren Sport) dazu, das bis zu 85 PS aus dem 1,7 Liter Motor holte.  Es folgen die Modelle 12M P4 (Mit 4-Zylinder V-Motor und Frontantrieb) und 17M (4-Zylinder V-Motor) bzw 20M P5 (6 Zylinder V-Motor). Beide aren als 2-türige und 4- türige Limousine, als wunderschönes  Hardtop-Coupe oder Kombi – bei Ford Turnier genannt – erhältlich. Bisher wurden auch alle Modelle der Taunus-Reihe vom Karosseriebauer Deutsch in Köln zum Cabrio umgebaut.

Der 15M P6 (12M und 15M) ist heute sehr selten anzutreffen. Mit Ihm begann das sportliche Erscheinungsbild aufzukommen. Das Thema “RS” für Ralley Sport  wurde zur Vermarktung der Autos aufgenommen. Schon mit dem 15M G4b, dem 12M G13 und dem 17M P3 wurde Motorsport betrieben. Ford selbst hat meistens aus dem Hintergrund Privatfahrer oder engagierte Autohausbesitzer bei Ihrem Motorsportaktivitäten unterstützt.

Die Folgemodelle 17M und 20M P7 a (ab 1967)  und deren Facelift, das bereits 1968 kam,  17M und 20M  P7 b  wurden ebenfalls als RS-Modelle angeboten, die nur in bestimmten Farben und Ausstattungen angeboten wurden. Das RS-Modell erhielt zusätzlich den eigentlich für das nächst größere Modell vorgesehenen Motor. Der 17M RS hatte also schon einen 6-Zylinder. Der 26M war die Topversion des P7b und hatte einen 2,6 Liter Motor mit 125 PS. Als Hardtop Coupe mit Vinyldach ein richtig schönes Fahrzeug mit ansprechenden Fahrleistungen.

Korrekter Weise muss man erwähnen, dass die Modelle des P7 (a und b) keinen Schriftzug “Taunus” getragen haben.

Dieser tauchte erst beim sog. “Knudsen-Taunus” ab 1972 wieder auf, der seinen Spitznamen von dem markanten Designfeature erhielt, die auch amerkikanische Ford-Modelle zierte – die Knudsen-Nase an der Fahrzeugfront.

Der Ford Präsident Semon E. Knudsen hatte hier seine Hände bei der Gestaltung im Spiel. Dies war auch der erste Taunus, der das typische “M” nicht mehr in der Typenbezeichnung führte.

Man spricht oft vom Taunus MK1, obwohl diese Bezeichnung nie vom Werk eingeführt wurde. Die Bezeichnung “MK” ist eigentlich nicht korrekt, wird aber bei Ford-Fans seit vielen Jahren  als fester Bestandteil bei Benzingesprächen zur Unterscheidung der Typen genutzt. Diese wird auch beim Granada, Capri oder Escort, die parallel zum Knudsen-Taunus gebaut wurden, gern benutzt.

Der Knudsen-Taunus wurde ab September 1970 gebaut und auch in England angeboten. Allerdings passte hier die Namensgebung nicht zur Sprache. Der Taunus wurde in England unter der Modellbezeichnung “Cortina” geführt, was zur Werksbezeichnung des Modells “TC”  – also Taunus-Cortina – führte und sich für die kommenden beiden Modelle hielt. Neben dem 1,6 Liter Motor hielt auch der V6-Motor mit 2,0 Liter Hubraum und 90 PS Leistung Einzug in den Taunus.

1976 kam der Taunus mit neu gestalteter Karosserie und ohne Knudsen-Nase auf den Markt. Ein 2,3 Liter V6 Motor mit 108 PS war in der Serie nun die Spitze der Motorisierung. Ein letztes Facelift kam dann 1980.  Das letzte Taunus Modell wurde bis 1982 gebaut und hatte eine breite Motorenpalette aufzuweisen. 1,3 Liter mit 55 PS, 1,6 Liter LC (Low Compression) mit 70 PS und 73PS als HC (High Compression),  sowie 1,6 Liter mit 90PS in der S-Version sowie einen 2,0 Liter 4 Zylinder mit 101 PS, einen 2,0 Liter V6 mit 90PS, und als Topmotorisierung 2,3 Liter mit 114 PS.   Ab 1982 wurde der Taunus durch den Sierra ersetzt.

Da wäre noch ein anderes Jubiläum….90 Jahre Ford Model-A.  Ford hat eine breite Historie.

Frank Scherrer, Juli 2018