Taunus 12M G13AL


Taunus 12M G13ALNicht das Erste, aber eines der ersten Automobile mit Selbsttragender Pontonkarosserie nach dem Krieg kam aus dem Hause Ford / Köln. Der neue Taunus 12M war damals "hypermodern" . Der Modellcode lautet G13AL. ( G: Germany, 1: Letztes Entwicklungsjahr 1951, 3: Motortyp 1,2 Liter, A: PKW, L: Luxusausführung). Was war hier so modern? Zunächst die Karosserie, die nicht mehr auf einem Rahmen saß, sondern durch die moderne Konstruktion einen deutlich größeren Innenraum für die Fahrgäste bot. Die kleinen 13 Zoll Räder ermöglichten einen größeren Fußraum. Die großen Glasflächen waren eines der Hauptmerkmale und in der Kinowerbung wurde gerne auf die "Glaskanzel" hingewiesen. Wieso "L" für Luxus? Eine Standardversion kam erst 1953 auf den Markt die dann G13A genannt wurde. Für die Zeit sehr gut ausgestattet und mit einem Basispreis von 7350.- DM war der 12M kein Schnäppchen. Ein VW Käfer mit 26PS Motor und einem Basispreis von 4400.-DM (1951) spielte nicht in der gleichen Liga und wurde beim Ampelstart leicht abgehängt. Der Schriftzug "12M" findet sich an den frühen 12M Modellen am Fahrzeug überhaupt nicht. Nur das Armaturenbrett trägt den Schriftzug "Taunus 12" und separat leicht versetzt ein großes "M". Der Motor wurde vom Taunus G73 weitesgehend übernommen. Er erhielt unter anderem eine Wasserpumpe und eine etwas erhöhte Verdichtung (G73A: 6,6:1 / G13: 6,8:1), was zu einer etwas höheren Leistung von 38PS führte.  Das Fahrwerk erhielt vorne anstatt der bisher verwendeten Querblattfeder Einzelradaufhängung an Dreieckslenkern, was zu einem verbesserten Fahrverhalten führte und den 12M - man glaubt es heute kaum - für damalige Verhältnisse zu einem sportlichen Fahrzeug machte. Er wurde gerne und oft für die vom ADAC durchgeführten Zuverlässigkeitsfahrten eingesetzt. Die Gewichtsreduktion gegenüber dem Vorgänger von 930kg auf 850kg Leergewicht war der Sache ebenfalls zuträglich. Den Spitznamen "Weltkugeltaunus" erhielt der Wagen aufgrund seines großen Ornamentes, dass vorne  montiert wurde und die Form der Motorhaube  deutlich beeinflusste. Auf einem aus verchromten Messingblech geformten Trägerelement ist ein farbiges Weltkugelemblem mit "Taunus"-Schriftzug eingelassen. Bis auf die Farbe "Onyx-Schwarz" wurde der 12M G13 ausschließlich in Einschicht-Metalliclackirung angeboten. Gedeckte Farben wie Dunkelgrün Metallic, Dynamosilber, Azurblau, Stahl-Blau, Nylon-Grau oder Silbersand findet man im Farbenheft des 12M G13. Rot oder Gelb sucht man hier vergebens. [FScherrer / 29.12.16] _______________________________ Gibt es den Taunus 12m P1? Immer wieder stolpert man in den Fach-Medien über diese Bezeichnung und steht dann vor dieser Frage. Einen Taunus12m P1 gibt es ebenso wenig wie den VW Transporter T1. Beide Bezeichnungen sind aus dem selben Grund entstanden: Man fing mit der Zählung nicht bei Eins an, sondern bei P2 beziehungsweise T4. Damit provozierte man zwangsläufig die Frage nach einem P1 bzw. T1, T2 und T3. Wie genial die Bezeichnung "T4" für den VW Transporter der 4. Generation war, erkennt man an der Geschwindigkeit, mit der sich die Idee des T1, T2 und T3 in der Fan-Gemeinde, auch wider besseres Wissen, durchsetzte. Einen 12m P1 gibt es also nicht. Aber warum nicht? Die Antwort findet sich in der Geschichte, wie es zum Taunus 17m P2, zum "Projekt Zwei", kam. Ford wollte schon in den 30er Jahren ein Modell mit 1,5-Liter-Motor, oberhalb des "Ford Eifel", auf den Markt bringen. Der neue Ford Taunus sollte einen seitengesteuerten 1,5L-Motor bekommen. Der "Schell-Plan" verhinderte das. Nach dem Krieg ließ sich dieser Wunsch wiederum nicht realisieren. Die Entwicklungsabteilung war zu klein. Man baute also ab 1948 den schon 1939 vorgestellten "Buckel"-Taunus mit verbessertem 1,2-Liter Eifel-Motor weiter. Mit Unterstützung der Amerikaner wurde so 1952 der Taunus 12m als eine verkleinerte "Kopie" des amerikanischen 49er Ford ("shoebox-Ford") vorgestellt. Wieder war es nicht gelungen, dieser Neuentwicklung auch einen neuen 1,5L-Motor einzuverleiben. Im 12m arbeitete der weiter verbesserte 1,2L-Motor des Eifel und Taunus. 1955 wurde endlich der 1,5L-Motor Wirklichkeit. Aber mit dem Taunus 15m musste man wiederum Beschränkungen hinnehmen. Diesmal hatte es nicht gereicht, den neuen Motor in eine völlig neue Karosserie zu kleiden. Der 15m wurde der "schnellere 12m". Die Karosserie war identisch und unterschied sich nur in Details vom gleichzeitig verbesserten 12m. Hier fiel der Startschuss zum "Projekt Zwei". Endlich sollte ein echter 15m entstehen. Nur zwei Jahre später war der 17m P2 da. Die gewünschte Trapez-Form der Heckflossen-Ära mit ihren "barocken"? Blechüberhängen machte das Fahrzeug so schwer, dass der vorgesehene 1,5L-Motor, es schlechter beschleunigte, als den 15m. Aus dem 1,5L-Motor mit 55 PS musste der 1,7L-Motor mit 60PS und höherem Drehmoment entwickelt werden, damit der 17m höhere Fahrleistungen als sein kleiner Bruder zeigen konnte. Das Projekt Zwei war also Fords zweiter (vergeblicher) Versuch, ein eigenständiges 1,5L-Modell auf die Räder zu stellen. Damit könnte man die vorausgehenden Bemühungen ab ca. 1937 bis hin zum 1955er Taunus 15m als "Projekt Eins" zusammenfassen. Das ist nicht geschehen und ich will es auch hier nicht nachholen. Ebenso wenig darf man die Fortführung der "P-Zählung" als weitere Versuche ansehen, das 1,5L-Modell zu realisieren. Die eigentliche Intension ging dem Bewusstsein der Schaffenden verloren und die "P-Zählung" wurde einfach nur praktisch. [J.Stegemann]


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